YOGA UND DAS NERVENSYSTEM
Im vegetativen Nervensystem besteht eine natürliche Pendelbewegung zwischen Sympathikus und Parasympathikus. Beide Modi brauchen wir, um aktiv, ruhig, konzentriert, entspannt, handlungsfähig und bindungsfähig zu sein. Die ganze Bandbreite unserer Ressourcen - Kompetenzen, Wissen, Talente - stehen uns allerdings nur zur Verfügung, wenn der parasympathische Strang “on” ist. Im Gegensatz zum Sympathikus schaltet sich der Parasympathikus langsamer ein und schneller wieder ab. Daher lohnt es sich, ihm etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
In diesem Kurs in Kooperation mit der Schule für Kunsttherapie erforschen wir Möglichkeiten dafür. Wir befassen uns mit der achtsamen Praxis von Kundalini Yoga, somatischen Übungen, Meditation, Mantra, Atem und Entspannung. Sie werden uns effektive Zugänge zu Selbstregulation, Stressabbau und Resilienzstärkung.
Wir nähern uns dem Thema bottom-up (ausgehend vom Körper und dem Sensorium) und top-down (über Neuroedukation, also dem Verständnis dafür, was im Nervensystem dabei passiert).
Grundlegend ist das Bewusstsein dafür, dass unser Nervensystem nicht nur unseren eigenen Zustand beeinflusst, sondern auch den der Menschen, mit denen wir sind. In jedem Kontext, in dem wir beruflich oder privat mit Menschen zu tun haben, wirken unsere Nervensysteme aufeinander. Im therapeutischen Setting ist regulative Arbeit am eigenen Nervensystem nicht nur persönliches Stressmanagement: sie wird zur wirkungsvollen Intervention im therapeutischen Prozess.
Warum altes Yoga-Wissen im therapeutischen Bereich?
Yoga kann spürbar unsere Zuversicht stärken und uns (wieder) in Verbindung mit uns selbst bringen, wenn wir diesen Kontakt verloren oder bewusst vermieden haben. Diese körperliche Praxis unterstützt so unsere Präsenz, das bewusste Da-sein im Augenblick und verbessert unsere somatische Wahrnehmung. Mit geregelten Handlungsabläufen und Atemübungen fördert es das Entwickeln von Rhythmen und hilft uns einen achtsamen Umgang mit dem Körper zu erlernen.
Das ist enorm hilfreich für die Gestaltung der eigenen Balance. Erfahrung in der Anwendung ist sowohl für die eigene Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit von großer Bedeutung als auch in der therapeutischen Arbeit, da Selbstregulierungsfähigkeit und eine nachhaltige Steigerung von Resilienz dadurch erreicht werden kann.
Wie machen wir das?
Im Yoga lernen wir zu spüren, was in uns vorgeht, wir erforschen, wie der gegenwärtige Zustand unseres Nervensystems sich zeigt und was wir aktuell brauchen, um uns wohl(er) zu fühlen. Mit behutsamen, sich wiederholenden Bewegungsabläufen, Atemerleben und begleiteter Entspannung schenkt es uns Gelegenheiten, regulierend Einfluss zu nehmen. So machen wir die Selbstwirksamkeiterfahrung von „Ich kann meinen aktuellen Zustand positiv beeinflussen.“
In Modulen zu jeweils 5 Einheiten (zu 90 Minuten alle zwei Wochen) üben wir das gemeinsam. In jedem Modul fokussieren wir ein spezielles Grundthema z.B:
- Rhythmus als körperlich erlebbarer Sicherheitsanker
- Gleichgewicht als dynamisches Ausloten der eigenen Mitte
- Atem als Direktzugang zum vegetativen Nervensystem
Ab Herbst widmen wir uns dem Modul “Die Stärke des Parasympathikus”. Welche Funktion hat dieser Strang des autonomen Nervensystems? Woran erkenne ich, in welchem Zustand ich gerade schwinge? Wie kann ich über den Körper/das sensorische System, aus dem das Nervensystem seine Informationen speist, aktiv darauf Einfluss nehmen?
Wir nutzen bewegtes Yoga, Atemtechniken, Mantrenmeditation, Handbewegungen und Entspannungsformen, um die Schwingbewegung gen Parasympathikus zu verstärken.
